Kirche & Soziales | "Kultur der Achtsamkeit - Gegen sexuellen Missbrauch von Kindern in Gesellschaft und Kirche"

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"Kultur der Achtsamkeit - Gegen sexuellen Missbrauch von Kindern in Gesellschaft und Kirche"

Bild zu  / "Kultur der Achtsamkeit - Gegen sexuellen Missbrauch von Kindern in Gesellschaft und Kirche"
24.10.2017 | Einen Gottesdienst mit anschließender Podiumsdiskussion über sexuellen Missbrauch initiierte Pallottinerpater Klaus Schäfer im St. Paulusheim. Beim sonntäglichen Gottesdienst stellte Pater Schäfer das Thema "Kultur der Achtsamkeit - gegen sexuellen Missbrauch von Kindern in Gesellschaft und Kirche" in den Mittelpunkt. Außer den Opfern und Tätern sexuellem Missbrauchs gäbe es oft tatenlose Mitwisser.






Der Umgang mit einem Verdacht, der Umgang von Institutionen mit dem Thema und wie wir, die Gesellschaft, mit den Opfern umgehen waren Kernpunkte der Podiumsdiskussion, zu der Pater Schäfer im Anschluss an den Gottesdienst die Kirchengemeinde eingeladen hatte. Zum Thema "Kultur der Achtsamkeit" standen hochkarätige Fachleute Rede und Antwort. Auf dem Podium vertreten waren:

Nicolet Alef, Präventionsfachkraft der Erzdiözese Freiburg für die Dekanate Bruchsal, Karlsruhe, Rastatt, Baden-Baden, Pforzheim, also Mittlerer Oberrhein-Pforzheim,

Erika Kerstner, Leiterin einer Gruppe von christlichen Missbrauchsopfern und Inge Ganter, Abteilungsleitung Kommunale Jugendpflege im Amt für Familie und Soziales der Stadt Bruchsal.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Dekanatsreferent Thomas Macherauch.





Bei den Redebeiträgen wurde deutlich, dass der Gesetzgeber inzwischen Instrumente vorgibt, die sexuellen Missbrauch verhindern sollen wie etwa das erweiterte Führungszeugnis für alle, die hauptamtlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Aber auch das ist keine Garantie für den Schutz der Schutzbefohlenen. Prävention müsse ganz früh an den Kindern ansetzen, die in die Lage versetzt werden sollten, Grenzen gegenüber Erwachsenen zu ziehen, forderte Inge Ganter von der kommunalen Jugendpflege. Zu den Grenzüberschreitungen bei Kindern gehöre auch das ungewollte Küsschen etwa von der Tante oder der Oma und die Umarmung, die das Kind ablehnt. "Wie sollen Kinder Grenzen setzen, wenn sie das zu Hause nicht lernen?", so die Frage von Ganter. Zustimmung kam von Präventionsfachkraft Nicolet Alef. Selbst Erwachsene gerieten bei zwischenmenschlichen Kontakten in das Dilemma. Auch sie müssten oftmals lernen, nein zu sagen und Grenzen zu setzen, denn "jeder hat seine eigenen Grenzen", so Alef.

Erika Kerstner leitet eine Gruppe christlicher Missbrauchsopfer. Ihre zunächst kleine Gruppe ist seit dem Jahr 2000 auf 500 Betroffene angewachsen, die sich regelmäßig austauschen. Als sie mit ihrer Arbeit begann, sei sie überzeugt gewesen, dass sie in der Kirche offene Türen finde. Leider blieben bis heute viele Türen verschlossen, so Kestner.
Mit der ablehnenden Haltung würden die Opfer in mehrfacher Hinsicht bestraft. Dabei suchten Missbrauchsopfer nach Sinn und nach Halt. Sie benötigten Solidarität und dass die Täter zur Rechenschaft gezogen würden. Fürbitten für Opfer sexueller Gewalt sollten in der Kirche selbstverständlich sein, so Kerstner und bat um die Umkehr der Kirche und an Orientierung an der Bibel, die einen offenen Umgang der Opfer mit dem, was Ihnen angetan wurde, erlaubten. Im kleinen Kreis, den die Podiumsdiskussion bot, äußerten sich anschließend auch Opfer sexueller Gewalt, die die seelischen Verletzungen ein Leben lang mit sich tragen.





Das Ziel von Pater Schäfer war, dem Thema eine Tür zu öffnen und Opfern wie den Betroffenen die Chance zur Aufarbeitung zu geben. "Es wird nicht meine letzte Veranstaltung zu diesem Thema sein", sagte Pater Schäfer am Ende der Veranstaltung. Er kehrt am 15. November in die Klinikseelsorge zurück, allerdings nicht mehr in Karlsruhe, wo er 15 Jahre lang wirkte, sondern an der Uni-Klinik in Regensburg.

Fotos: lfk

(lfk)



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