no comment – Der WILLI-Kommentar

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Der noComment-Kommentar
Die Raffgeier oder Man kanns ja mal versuchen

Kennen Sie das Wort „Politikverdrossenheit“? Ein Wort, das man fühlt, aber nicht beschreiben kann.

Eigentlich wünschen wir uns Vertreter, die unsere Interessen vertreten. Sie sollen angemessen bezahlt werden. Sie sollen unabhängig sein und sie sollen keine Angst haben, wenn sie nicht wieder gewählt werden. Und, sie sollen Vorbild sein gegenüber der Raffgeier-Mentalität, die uns täglich aus der Welt des Managements vorgeführt wird. Aber ist man erst mal selbst am Geldhahn, scheint Zurückhaltung keine Tugend mehr.
 
Und deshalb richten es sich die gleichen Ehrenmänner und Ehrenfrauen gemütlich ein, wenn sie erst mal an der Stelle sitzen, wo man sich selbst bedienen kann.
 
Stellen Sie sich einmal vor, Sie arbeiten in einem Betrieb, wo Sie als Mitarbeiter Ihr Gehalt bestimmen können. Auch Urlaubsgeld und Pension und auch die Kosten um Ihr Büro auszustatten, wie Sie es wollen. Kein Kunstdruck, ein Gemälde, kein Sofa, eine Ledercouch, kein Kuli, ein MontBlanc, kein Notizbuch, ein Lederaccessoires. Und das Beste: Sie selbst müssen es nicht bezahlen und niemand fragt nach. Und ihr Betrieb geht auch niemals deshalb pleite. Und noch dazu: Sie haben höchste Anerkennung und sitzen immer in der ersten Reihe.
 
So ähnlich dürfen Sie sich die Situation eines unabhängigen, nur sich selbst und seinem Gewissen verantwortlichen Abgeordneten vorstellen. Ja, das Gewissen und die Verantwortung. Das ist so eine Sache.
 
Jedenfalls kennt der Ideenreichtum schnell keine Grenzen und deshalb finden Journalisten auch immer wieder sehr kreative Selbstbediener. Die Mentalität blüht nicht nur im Großen, wo die Politstars ihre Zeit in den Parlamenten nur absitzen, um sich aufs wahre Geldverdienen bei Vorträgen vorzubereiten oder sich schon mal die nötigen Kontakte für den Absprung in die Industrie zu schaffen. „Diejenigen Wer?“ geraten auch immer wieder ins Visier der Recherchen und wir können in den einschlägigen Politikmagazinen davon erfahren, wie man richtig Geld verdient. Die kleinen Leuchten machen das viel intimer. Auf sie fällt viel weniger Licht der Medien. Wen kümmert schon, ob die Landtagsabgeordnete Musterfrau einen Designerteppich im Büro ihr Eigen nennt?
 
Nun ja, warum sollte der Querschnitt der Bevölkerung bei Abgeordneten ein anderer sein, als in der Gesamtbevölkerung? Aber vielleicht sollten alle Kollegen mal besser aufeinander schauen und rechtzeitig Einhalt gebieten, um das gemeinsame Ansehen aller Politiker nicht weiter zu beschädigen.
 
Aber das Beispiel im Baden-Württembergischen Landtag lehrt uns das kollektive Gegenteil. Wie einig man sich doch manchmal ist. Im Handstreich wurde die alte Regelung mit Mehrheit der CDU, SPD und der Grünen gekippt und ihre Pensionen wieder auf das Niveau gebracht, wie es vor der Neuregelung aus 2011 war. Nur fünf Jahre hat die Selbstbeherrschung angehalten, als man die staatliche durch eine private Altersvorsorge ersetzt hatte, bis sich Schlauberger überlegt haben, wie man die Regel wieder kippen kann. Ein Grund war schnell gefunden: Gleichbehandlung. Man darf die Jungen nicht schlechter stellen. Und „schwupp“ war es wieder auf dem alten Stand. Erklären Sie das mal einem Arbeiter, wenn sein Betrieb schließt.
 
Was lernen wir daraus? Jeder ist sich selbst der Nächste. Was schert mich mein Jeschwätz von Jestern? Sprüche, die so wahr sind wie nie.
 
Doch dieses Mal haben sie die Rechnung ohne den berühmten Wirt gemacht und zeigen sich reumütig. Die bereits beschlossene, gerechtere (!) Regelung soll wieder (mehrheitlich) zurückgenommen werden. Ja was denn nun? Was ist denn nun gerecht?
 
Liebe Landtagsabgeordnete, ihr habt eine große Chance vertan. Wir hätten euch langsam wieder in unser Herz geschlossen und euch vertraut. Im Fußball wäre es eine Schwalbe. Dafür gibt’s mindestens die Gelbe Karte. Denn auch der Versuch den Elfmeter dadurch zu bekommen ist strafbar.
 
Für alle, die sich in Sachen Vertrauen schlau machen wollen empfehle ich:  www.abgeordnetenwatch.de


U. Konrad
Im Wahlkampf

Eingestellt am 27.02.2017



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